tff 2010
da hat jemand eine prima zusammenfassung gemacht und ihr bekommt schonmal ein bisschen was von der vielfalt und der athmosphäre mit.
wir haben völlig andere sachen gehört und gesehen; hier der bericht:
(ich glaube, ihr könnt euch jetzt erstmal ein getränk zurechtstellen, vielleicht auch noch ‘ne stulle schmieren, denn das hier wird lang, das sehe ich schon.)
ja also. schon wieder anfang juli und damit zeit für das tanz- und folk-festival in rudolstadt.
diesmal sind wir (also frau b. und ich) mit dem zug hingefahren. nachbar d. ersparte sich durch großzügiges ausleihen einer riesigen reisetasche mit rollen und ausziehbarem griff die peinlichkeit, mich mit einer rollenden karierten einkaufstasche unterwegs zu wissen, die ich mir eigentlich kaufen wollte, damit wir die zwei zelte und das sonnensegel angenehm transportieren konnten. fettgrins.
wir waren früh genug da, um einen mehr als briefmarken-großen platz für den aufbau von zelten und sonnensegel zu finden (besonders letzteres war dringend nötig) und dafür NICHT am arsch des sportplatzes zu landen. sehr schön! kelly: das schwimmbad war zu fuß keine fünf minuten entfernt. :) nach dem aufbau haben wir uns bebändert: festival-bändchen und schwimmbad-bändchen und dann ab in die stadt.
es war heiß. und es war klar, dass sich daran auch nix ändern würde (bis zu 35 grad waren’s, hab’ ich eben im radio gehört). ich hatte eine kappe dabei, von der meine letzte ex-mitbewohnerin und ich einhellig festgestellt hatten, dass sie “not exactly fantastic” war, und frau b. überhaupt keine kopfbedeckung, also deckten wir uns mit strohhüten ein, die ein freundlicher verkäufer mit österreichischem akzent für freundliche preise an dankbare menschen brachte.
andere hatten eine andere rettende idee: setz dich auf einen stuhl und dein kopf wird zum maß genommen für den eigens für dich geklebten und getackerten hut aus zeitungspapier, auf wunsch auch mit krepp-rose und deko-band. dreispitze konnten es auch sein, wenn nötig. die idee fand ich richtig klasse und bewahrte wohl so einige davor, ‘nen sonnenstich zu bekommen.
überall rumgucken in der innenstadt:
“ach super, es gibt die neumarktbühne wieder; die ist so gemütlich.” — “guck mal hier, der handwerkerhof, ist der nicht schön?” — “hier ist die instrumentenbauergasse, waaa, was für tolle geigen! und verstärkt werden die quasi mit wlan!” — “‘schillernde fassaden’ hat wohl nix mit schiller zu tun, sondern mit der künstlersichen nutzung von leerstehenden alten gebäuden – wow!” – (doch, das projekt hat sehr wohl mit schiller zu tun und wird von der kunstwerkstatt rudolstadt durchgeführt.) — “heidenei, was klasse klamotten/taschen/tücher/klimbims an diesem/jenem stand; da müssen wir aber später nochmal vorbeigucken” — “och, lass mal ‘nen eiskaffee trinken gehn”.
unser erstes konzert erlebten wir dann oben auf der heidecksburg, als arlo guthrie mit den thüringer symphonikern saalfeld-rudolstadt die große bühne bespielte.
spannende mischung, das: die symphoniker in kombination mit einer folkig-knarrenden stimme oder mit mundharmonika. arlo guthrie ist tatsächlich ein prima geschichten-erzähler und brachte uns zum grinsen und zum lachen mit seinen schrägen und ironischen stories rund um die lieder, die er sang.

vor der bühne ein meer der unterschiedlichsten menschen der verschiedensten altersstufen und provenienzen, die einen tierischen spaß hatten und irgendwann auch “can’t help falling in love” von elvis presley mitsangen, von dem guthrie sinngemäß sagte: “bei einem folk-song kommt es am ehesten darauf an, dass alle den text kennen und mitsingen, und dass er damit die menschen verbindet.” das haben sie geschafft, der song und arlo guthrie.
neu in der festival-ausrüstung: leichte falt- und klappbare hocker. die waren letztes jahr schon überall zu finden und dieses jahr gab’s schon die weiterentwicklung aus rucksack mit integriertem sitzteil zu bestaunen. wird immer ausgefeilter, die event-ausstattung.
wir kauften uns faltbare dreibein-sitze und waren die übrige zeit sehr glücklich darüber, denn die veranstalter tragen dem neuen trend zum eigenhocker rechnung und stellen jedes jahr weniger bänke auf, was ja auch völlig ok ist, wenn eh alle das mobile wohnzimer dabei haben.
unsere hocker kauften wir am stand der musik-zeitschrift “folker”. es enstspann sich über die zusätzliche mitnahme der vorletzten folker-ausgabe mit einem für mich interessanten artikel folgender dialog:
“ach, super, die kann ich jetzt also einfach so mitnehmen?”
“ja. und auch die neueste ausgabe, wenn sie die auch haben wollen”
“wie, die gäb’s auch umsonst?”
“nein, nicht umsonst, sondern kostenlos”.
ich gucke blöd. der verkäufer fühlt sich bemüßigt, seine aussage zu präzisieren:
“umsonst wäre der weg der zeitung von hier auf dem tisch ohne umweg in den mülleimer. kostenlos heißt, die kostet nichts.”
“ach ja. ja danke, aber ich brauche trotzdem nur die vorletzte ausgabe.”
“schon gut, und sonst kommen sie eben einfach nochmal vorbei.”

freitag abend sahen wir dann noch die kroatische klapa-formation cambi. herrlich! “klapa” heißt der kroatische mehrstimmige a-cappella-gesang. er ist insbesondere an der dalmatinischen küste verbreitet und gehört laut tff-programm-info zu den ausgefeiltesten mehrstimmigen gesängen weltweit.
das hat einfach was, wenn die ersten bis dritten tenöre loslegen, die baritone dazukommen und das ganze dann von den bässen geerdet wird. und nett waren die auch; eine einheitliche verbeugung bekamen die acht nicht hin und auch ansonsten erschienen sie mir eher wie gutgelaunte schluffis mit professioneller stimme denn als welche, die ein programm mit professioneller routine hinter sich bringen.
(ich habe gerade gemerkt, dass die mucke, die cambi auf der website präsentiert, sich wesentlich von dem unterscheidet, was wir gehört haben. wir hatten anscheinend das glück, traditionelle á capella-stücke zu gehör zu bekommen …)
samstag: frühstück, dann schwimmen. danach kamen die einzigen schätzungsweise dreieinhalb minuten, in denen meine füße sowas wie sauber waren, nämlich auf dem weg vom schwimmbecken raus auf den staubigen weg und weiter auf den staubigen zeltplatz, dann durch den staubigen park, in dem der staub oft sichtbar in der luft hing. das war schon ziemlich heftig.
generell hatten wir uns einen plan gemacht, welche bands und künstlerInnen wir uns wann und wo angucken wollten, – und dann warfen wir den plan frohgemut ständig um und passten ihn an die jeweilige lust und laune an. statt konzert in der stadt gab’s eine ausgiebige erkundung der vielen buden im park und eisgekühlen nanaminze-tee im schattigen arabischen zelt. statt konzert-hopping von hier nach dort wurde der plan dem wetter angepasst, so dass wir uns nicht allzu viel in der hitze bewegen mussten. und trotzdem (oder gerade deswegen) erlebten wir samstags fünf ausgezeichnete konzerte:

rechela ist eine in den usa aufgewachsene israelin, die sich bei der erholung von einer krankheit auf dem sinai in die beduinen-gesänge dort verliebte und diese seitdem – inzwischen in einem quartett – so ziemlich überall zu gehör bringt.
wir saßen im schatten unter einem baum und ließen uns in die trance-artige musik mit ihren vielen minimalistischen wiederholungen ziehen, die dem wetter mehr als angemessen waren. sehr entspannend.

da waren die wellküren dann schon ein ziemliches kontrast-programm: drei damen aus einer 17-köpfigen musiker-familie (ein paar ihrer brüder bilden die biermösl blosn), die aus harmlos-verpiefter stubenmusik ihre ganz eigene comedy-show machen. hat spaß gemacht. anbei ein link auf eine version des konzerts für nonnentrompeten als kostprobe.

wenn schon kein konzertplatz-hopping, dann doch wenigstens mental- und weltenhopping: elena ledda hat in den letzten 30 jahren die sardische volksmusik nicht nur bewahrt, sondern auch weiterentwickelt. sie spielt seit ebenso vielen jahren mit fast der gleichen formation hervorragender musiker zusammen; nur die co-sängerin kann nicht seit 30 jahren dabei sein, dafür ist die zu jung. die hatte auch ‘ne super stimme und wenn die beiden damen zusammen sangen, jede in ‘ner anderen tonart, dann war das schon sehr zum gänsehaut-kriegen.
elena ledda wie auch die wellküren und noch so ein paar der künstlerInnen von diesem jahr waren auch vor 20 jahren beim ersten tff dabei gewesen; jubiläum war dieses jahr nämlich auch noch. die wellküren erzählten, dass die bühnen damals nicht ganz so groß und nicht ganz so doll besucht gewesen seien – diese jahr gab es hingegen einen zuschauer-rekord von 71.000 menschen, die das festival besuchten.

ok, nach ‘nem abstecher ins zelt, jacke holen, haben wir noch das halbe konzert von bayon mitbekommen; dieser rest hat uns aber auch gut gefallen. bayon wurde 1971 in weimar gegründet und gilt laut tff-programm immernoch als DIE weltmusik-pioniergruppe der ddr. bayon haben diese jahr den ehren-preis “ruth” des festivals für ihr lebenswerk erhalten.
zum schluss saßen wir dann in einem LUFTZUG auf der burgterrasse und ich persönlich hab’ mich von der polnischen gruppe “macko korba” (c mit akzent, krieg’ ich gerade nicht hin) nochmal ganz woanders hin treiben lassen. macko korba wurde von einem drehleier-spieler gegründet, der der polnischen drehleier neue wege bereiten will. was dabei herauskommt, ist im wahrsten sinne des wortes erst einmal experimentell, minimalistisch, zart, intensiv und eigentlich eher für geschlossenen räume geeingnet, in denen nicht derart viele nebengeräusche zu hören sind, die von der musik ablenken.

egal, nachdem sich die unruhe im publikum gelegt hatte, konnte ich das konzert so richtig genießen. mit geschlossenen augen, auch wenn mir dann natürlich die video-projektionen, die das konzert begleiteten, entgingen. das von macko korba war für mich eines der eindrucksvollsten konzerte des ganzen festivals, aber ich steh’ ja auch auf so zeug.
danach hab’ ich gestreikt und wollte nur noch ins bett. sophie hunger, die danach noch spielte, höre ich mir demnächst im radio an; um zwölf und nur mit vier stunden schlaf aus der nacht davor war’s einfach genug und ich fiel ohne zähneputzen ins zelt und in den schlafsack und schlief wie ein stein.

morgens wachst du eh zeitig auf: es wird spätestens um halb acht unangenehm heiß im zelt und der platz erwacht immer mehr zum leben; die meisten eltern haben um diese zeit wahrscheinlich schon die ersten runden mit ihren kids gedreht. teller- und tassenklappern allenthalben; wenn dir dann noch der duft von kaffee in die nase steigt, hält dich nix mehr und du suchst deinen kram zusammen, um unterm sonnensegel deinen eigenen zu brauen. zum frühstück gab es leckeres ciabatta und geräucherten käse vom festival-gelände: spitze!

sonntag hatten wir nur noch die “azmaris of addis” auf dem programm. äthiopien war der diesjährige länderschwerpunkt und azmaris sind äthiopische wandermusiker, die die geschichten ihrer dörfer sowie den neuesten klatsch und tratsch gesanglich weitergeben. da sie eher von der hand in den mund leben, sind sie auch niemandem verpflichtet (erst recht keiner plattenfirma oder schlimmerem) und können so zu den bissigsten und ironischsten kritikerInnen ihrer umgebung werden. die vier sängerInnen und zwei tänzerInnen, die wir erleben durften, sind teil der azmaris-clubszene, die sich in addis abeba gebildet hat.
super-mitreißende musik! natürlich haben wir kein wort verstanden, aber die tänzerin und der tänzer haben ganze geschichten erzählt; da hatte jede bewegung eine bedeutung. kam mir zumindest so vor. jessas, hat das spaß gemacht, ihnen zuzuschauen! da wurde der faltklappstuhl vor ganz andere herausforderungen gestellt, so, wie ich darauf rumgehippelt habe.
und dann war’s das auch schon wieder. wie schnell manchmal so drei tage rumgehn können, wenn’s dir gut geht.
ok, zelte packen, noch ein bisschen schlendern, beim besten kaffeestand des festivals ‘nen kaffee trinken, ‘nen happen essen und dann ab zum bahnhof, das schöne-wochenend-ticket verfahren. nachts waren wir wieder in berlin. also körperlich. geistig hat das bei mir noch ein bisschen länger gedauert und eins ist klar: das ist so zu kurz! lieber donnerstags ankommen und erst montags fahren, sonst glaubste ja, das war alles nur geträumt.

:°)



tja, ein glück – wir haben sommer.
barfuss im winter, schlecht.
entzündetes auge – sonnenbrille (gut).
gewinnen wir den tatsachen etwas gutes ab! *ggg*
auch für dich: gute besserung!
lg kelly
dein schlusssatz ist klasse!
moin unentwegte,
sogar in unserem käseblättchen wird berichtet, von 71700 besuchern beim festival für weltmusik.
für welches blatt schreibst du? *ggg*
jedenfalls immer ein voller erfolg und petrus macht auch mit…
Meine Liebe,
gerade hab ich dein Wochenhoroskop gelesen (also meines); die meinen, dass für unsereins in dieser Woche wenig los sein wird (ha, ha) und wir uns irgendeins dieser sonst völlig unnötigen Wellness-Dinger aufzwicken sollen (HA, HA).
Vom In-Stachelbeeren-baden schreiben die aber nix, irgendwie.
Ich hab mich nämlich heute schon dem Phytomasochismus hingegeben und die Dinger gepflückt, weil die Gewitter möglicherweise nicht bis morgen warten wollen. Geputzt, aufgekocht und durch die Flotte Lotte getrieben hab ich sie auch schon, endgefertigt werden sie dann morgen; schließlich ist der Prinzessinnen-Großkampftag ja erst am Nachmittag, ähem.
Und vielleicht geh ich zwischendurch ja auch kurz schwimmen, um meinem Horoskop genüge zu tun, tja.
Hoffentlich wird wenigstens die Marmelade gut.
Busserl, noch eins
vom Gschropperl
schon wieder ein jahr vorbei…
hallo unentwegte,
war noch platz in der nähe des freibades *ggg*?
es gibt immer wieder neues, nur ob es besser ist ;-), der zeitgeist wabert an mir vorüber, fürchte ich.
hach, gestern hab ich (bitte anschnallen) hintereinander:
mystic islands (brandenberg) und safri duo (played alive) gehört und überlebt *ggg*.
lg kelly
Hallöchen!
Ja genau, also wie wars? Hab an dich gedacht, hoffentlich wars gut.
Sommerfest am Samstag sehr ruhig, ohne Gäste, beim Feuerwerk alle Kinder am Brüllen, aber die Prinzessin mit breitem Grinsen und großen Augen: “Bopp! Bopp! BOPP!!! – - Schöööön!”
Hier im Osten sind die schauerlichen Unwetter an uns vorüber gegangen. Morgen sollen Gewitter kommen, na die sollen nur kommen, mein Gemüsebeet wartet dringend drauf.
Die heutigen Tasks wurden bravourös (unterbrochen von einem veritablen Zornanfall der Kurzen) gemeistert. Morgen nachmittags Großkampftag der Prinzessin und Mittwoch überhaupt Action pur, aber um 16.00 Uhr sollte dann alles überstanden sein.
Und dann koche ich die Stachelbeeren ein.
Die Ribiseln esse ich selber.
Und ab Donnerstag nur noch ein Termin pro Tag (unvorstellbar, eigentlich). Beginnend mit dem lieben Portugallier, das hat doch was.
Und aufgrund der zunehmend entspannten Situation (ich glaube das neueste weißt du noch gar nicht) habe ich mich entschlossen, mein iPad auszutauschen, gegen ein neues gebrauchtes. Schwieriger Schritt, emotional gesehen, aber technisch dringend erforderlich, grins* Mein Teil muss mittlerweile mindestens 8 Jahre auf dem Deckel haben. Ich lass es mir zwar als Reserve, aber arbeiten und Musikhören ist mit einem besseren schon komfortabler.
Und jetzt bräuchte ich eigentlich dringend ein Nickerchen, aber die Kröte pennt leider nicht wie vorgesehen ein, also muss ich hier leider vor mich hin bubbeln :)))
Busserl
vom Gschropperl